Deutschland im Fußball Fieber
Man mag Fußball-Fan sein oder auch nicht, eins steht fest – diese WM hat auch mich als an sich Fußball-Abstinenzler, nicht kalt gelassen. Nationalstolz? Hm, nunja – es gibt wirklich höhere Werte auf die man stolz sein könnte als der einen WM Pokal zu erringen. Überhaupt ist der Begriff “Stolz” ja auch ein bisschen abhängig davon unter welchem Licht er erscheint. Sofern jemand dabei auf eine wirklich gute Sache zurückblicken kann, ist, auch nach außen gezeigter Stolz berechtigt und darf sich sehen lassen, darf anerkannt werden. Doch die dunkle Seite liegt auch sehr nah dran, denn “Dummheit und Stolz” wachsen bekanntlich auch auf einem Holz, nämlich dann wenn zwar der Stolz, aber die Grundlage dafür nicht vorhanden ist.
Vielleicht ist einfach der Begriff “Nationalstolz” etwas unglücklich gewählt. Vom G’schmäckle her gehört er für mich ohnehin in eine andere, vergangene Zeit, die man besser in der Geschichte lässt. Vielleicht wäre Selbstbewusstsein der bessere Begriff und das dürfen die “Deutschen” auch mal wieder sein. Sich seiner selbst bewusst sein, heißt nicht, dass man überall als Platzhirsch auftreten muss, sondern im wahrsten Sinne des Wortes, dass man über sich Bescheid weiß, über seine Stärken und Schwächen, dass man sich als das akzeptiert was man ist und nicht so tut als wäre das, was man gerne sein möchte schon längst Realität und sich dabei die schwachen Seiten geflissentlich in den Ignor-Modus schickt. Dass man sich über gut Gelungenes freuen darf, aber dabei auf dem Teppich bleibt, dass man auch mal Niederlagen einstecken kann und auch im Umgang mit anderen deren Leistungen anerkennt, aber diese anderen auch dann noch mag, wenn die mal fallen und nicht mehr die über alles schwebende Ikone sind, wenn sie Fehler machen, so wie man selber auch Fehler macht.
Ich denke diese WM hat gezeigt, dass wir Deutschen uns emanzipiert haben und wieder eine etwas selbstbewusstere Nation geworden sind, die auch bei einem 3. Platz noch sportlich bleibt. Eine Nation, die unter der Sommerhitze gezeigt hat, dass sie durchaus ein fröhliches, südländisches Temperament entwickeln kann, die sich herzerfrischend freuen kann, die Humor hat und die auch mal über sich selbst lachen kann. Und vielleicht haben auch die wirtschaftlich schlechten Zeiten dazu beigetragen, dass wir wieder etwas näher zusammenrückt sind und fernab von allen Sorgen einfach mal ausgelassen gefeiert haben.
Kurz und gut: es hat doch bei dieser WM stark gemenschelt und das konnte selbst ich als Fußball-Dau spüren. Und aus diesem Grund war die WM für mich ein voller Erfolg.




