Hitze in Deutschland und südländische Siesta
Angesichts der derzeit herrschenden Hitze werden nun die ersten Rufe nach einer Siesta, also einer langen Mittagspause zwischen 12.00 und 16.00 Uhr, laut. Aus dem Radio vernahm ich, dass Politiker meinen, dass wir aufgrund des Klimawandels auf häufigere Sommer mit derart hohen Temperaturen einstellen müssten und daher Gewohnheiten südeuropäischer Länder sinnvoll und angebracht seien. Unbestritten meiner Meinung nach ist, dass es ab 35 Grad und mehr nur noch wenige effektiv arbeiten können. Der Körper ist einfach im Hitzestress und damit beschäftigt sich zu kühlen. Von daher sicher eine sinnvolle Sache.
Aber wie mit so vielen Dingen : Alles haben wollen ohne die Konsequenzen zu bedenken? Wie soll denn so etwas in unserem Lande funktioneren? Jahrelang haben wir fein säuberlich Wohngebiete von Gewerbegebieten getrennt und sind der Folgen der Rush-hours kaum Herr geworden die der allmorgendliche und allabendlich Run zur Arbeitsstelle mit sich bringt, da sollen jetzt die Menschen in den 4 Stunden Siesta auch noch nach Hause fahren und später wieder zurück? Schonmal dran gedacht, was angesichts der Spritpreise kostet, ganz zu schweigen wieviel kg Abgase da zusätzlich verpufft werden?
Und was ist mit denen, bei denen das aufgrund der Entfernung erst gar nicht möglich ist? Sitzen die dann entspannt vier Stunden am Schreibstisch und drehen Däumchen? Man wird wohl kaum davon ausgehen können, dass mittlere und kleine Unternehmen in der Lage sein werden Rekreationsräume einzurichten, wo es sich, gut gekühlt, aushalten lässt — wo die meisten Unternehmen noch nicht mal in der Lage sind Kinderhorte für den Nachwuchs ihrer Arbeitnehmer einzurichten.
Und was ist mit den Familien? Von 8 bis 12 sind 4 Stunden, ab 16.00H müssten dann nur noch der lächerliche Rest von weiteren 4 Stunden abgeleistet werden bzw. wer nicht gerade Dienst nach Voschrift schiebt, hängt dann auch noch Überstunden dran. Da kann es wohl locker auch mal 22.00h und später werden bis man an den Heimweg denken kann. Was ist mit den Kindern, die ihre Väter und Mütter nicht mehr zu Gesicht bekommen? Noch haben wir ja keine flächendeckende Versorgung mit Kinderhorten und einer Ganztagesbetreuung. Und überhaupt, fraglich ob es dann nicht besser wäre auf Ganztages- und Nachtbetreuung umzustellen.
Und was ist mit den nicht berufstätigen Frauen wenn es funktionierende Familienverbände, willige und hilfsbereite Omas, Opas, Tanten und Onkel nicht mehr gibt und zudem ein Ehemann und Vater dann auch nicht mehr greifbar ist. Im Unterschied zu Deutschland gibt es in Südeuropa nämlich solche funktionierenden Systeme noch – aber hier nicht und so fette Diäten, dass man sich für alles eine bezahlte Hilfe leisten könnte, hat nunmal auch nicht jeder. Kinder bekommen? Ich kann jede Frau verstehen, die dankend ablehnt.
Meine Damen und Herren Politiker, nicht immer gleich an neue Änderungen denken, nur weil euch im Mom die Hitze auch etwas unagenehm ist. Nicht immer von sich auf andere schließen – es gibt Schlimmeres als Hitze und noch vieles zu verbessern, was wichtiger wäre !!




