Deutschunterricht
Für ein Weblog über Webdesign sicherlich absolut “off-topic”, aber weil ich mich gerade so schön aufregen kann. Da sollen Schüler einer 9. Klasse an einem Gymnasium zur Kurzgeschichte von Peter Bichsel “Die Tochter” einen inneren Monolog der Tochter Monika schreiben. Die Geschichte spielt in den 50er Jahren, die Eltern, bieder und einfach und vom Lande, warten auf die allabendliche Heimkehr der Tochter Monika. Die Tochter, für die 50er Jahre schon etwas Besonderes, mit Schul- und Ausbildung als “Bürofräulein” hat Bestrebungen sich von der stereotypen Eintönigkeit des Elternhauses abzulösen. Die Schüler sollen sich nun in die Rolle von Monika hineinversetzen und sich vorstellen, was wohl in ihrem Kopf vor sich geht, bei ihrer abendlichen Rückkehr von der Arbeit.
1950! Das war ja sogar noch vor meiner Zeit und betrifft dann wohl eher die Jugendzeit meiner Mutter. Wie aktuell ist das denn? Wie aktuell sind Plat-ten-spieler und Tearooms? Und wie soll sich dann auch noch ein 15-jähriger Junge in die Gedankenwelt eines Mädches um die 18 hineinversetzen, zumal die Nachkriegszeit und das Wirtschaftswunder Deutschland noch nicht einmal im Geschichtsunterricht thematisiert wurden!
Die Erlebniswelt eines Jungen von heute ist Millarden Lichtjahre davon entfernt. So etwas können wohl auch nur Lehrer aufs Tapet bringen, die – ohne Zweifel sicherlich belesen und gebildet, aber – wohl erstmal selber ein pubertierendes Kind in dem Alter haben müssen um zu begreifen, dass Jungs in dem Alter im Jahre des Herrn 2006 sich nicht mit der Jugendzeit ihrer Großmutter identifizieren können. Ablösung von den Eltern ist sicherlich in jeder Pubertät Thema, aber auf dem Hintergrund der 50er Jahre?? Mein Sohn hat die Geschichte gelesen und weil er sich eigentlich nur vorstellen kann, was er denken würde, wenn er nach Hause kommt, hätte er geschrieben, dass Monika sich auf die Heimkehr zu ihren Eltern freut. Nun ja – *er* würde sich (noch) freuen weil er meist hungrig ist und es daheim Futter gibt. Aber Neiiiiiiin, mein Junge, das wäre dann mal wieder “Thema verfehlt”, setzen 6.
Da frage ich mich jedoch, was wird hier eigentlich beurteilt? Die empathischen Fähigkeiten eines 15-Jährigen oder … DEUTSCH?




