Ist jeder kreativ?

Heute mal wieder was zu einem meiner Lieblingsthemen: Kreativität. Ist jeder kreativ? Das Thema hatte ich schonmal und immer noch meine ich : Ja – jeder auf seine Weise. Einer kreiert aus bekannten Zutaten immer wieder neue Kochrezepte, der andere ist ein findiger Problemlöser in Wirtschaftsfragen und wieder ein anderer ist ein “kreativer” Webdesigner. Aber was heißt das denn eigentlich “kreativer Webdesigner” und warum sind manche Menschen kreativer als andere? Ist das denn wirklich so, dass das nur Veranlagung ist?

Irgendwie ja und auch irgendwie nein.

Bewegt man sich im Großraum Design, Kunst, Architektur, Mode so muss schon in der Person selber eine gewisse Affinität zu den schönen Dingen vorhanden sein und vielleicht auch ein bisschen Talent für Formen und Farben, zumindest mal wenn jemand neben den technischen Aspekten einen Gestaltungswillen hat, der über die Erfüllung von formalen Ansprüchen hinaus in die ästhetisch-emotionale Wirkung hineingeht. Was aber nicht heißt, dass jemand, der sich rein auf Codeästhetik konzentriert, nicht auch kreativ wäre, wenn er z.B. in Sachen CSS trickreiche Lösungen findet. Das ist dann eben eine andere Form von Kreativität. Aber warum empfinden sich manche Menschen selber nicht so oder warum zeigt sich das oft einfach nicht?

Geht Kreativität unter oder wird im Keim erstickt?
Ein interessantes Zitat dazu fand ich heute in der Karrierebibel

Kann ich nur unterschreiben und möchte noch hinzufügen, dass diese Blockaden oft der Grund sind warum Projekte in der Mittelmäßigkeit hängen bleiben – weil keiner mehr Lust hat etwas daran zu machen weil: “das kriegt man ja nicht bezahlt”. Und sobald dieser Satz einmal gefallen ist, muss man aufpassen, dass sich nicht eine Spirale auftut, die nach unten geht und zwar mit aller Kraft und die nur schwer aufzuhalten ist. Man bekommt manches im Leben nicht mit barer Münze bezahlt, aber es zahlt sich meines Erachtens doch immer aus nicht immer nur auf das Portemonnaie zu schielen. Das gilt sowohl für Auftraggeber als auch für Auftragnehmer. Knauserige Auftraggeber mit nicht enden wollenden Forderungen und überzogenen Ansprüchen bedient man halt genau einmal, aber dann nicht wieder und gut ist.  Sofern man kein Helfer-Syndrom hat, lernt man mit der Zeit schon im Vorfeld zu sondieren wer in die Pipeline kommt und wer nicht. Auf jeden Pott passt bekanntlich ein Deckel.

Aber macht es Sinn mitten in einem Projekt nur noch halbgar mitzuarbeiten und die Leistung runterzuschrauben?  Zugegeben,  mir fällt es manchmal schwer mich nicht blockieren zu lassen und immer in erster Linie das gute Ergebnis im Auge zu behalten, mich nicht bei Dauer-Stöhnern, Mies-Motzern und sonstwie saturierten und gelangweilten Zeitgenossen anstecken zu lassen,  gleichzeitig jedoch auch nicht – um des kuschligen Klimas Willen – immer nur nachzugeben sondern  meine eigenen Interessen zu wahren und mich nicht von  Menschen mit weniger Skrupeln über den Tisch ziehen zu lassen.

Viel hilft mir ein Satz, den ich einmal in einem Forum (welches ich leider sehr vermisse) las:

Wer etwas gibt bekommt immer etwas zurück, nur nicht immer aus der gleichen Richtung.

Ich glaube, dass wenn man sich anstecken lässt, man zum Schluss selber die oder der Dumme ist und sich  erfolgreich ins Abseits katapultiert. Das ist eine Katze, die sich in den Schwanz beißt. Weniger zu geben, heißt dann auch immer weniger zurückzubekommen bis zum Schluss gar nichts mehr da ist und erst keiner mehr kommt, der von einem etwas haben will.

Ich will nicht sagen, dass Geld unwichtig ist – eine angemessene Bezahlung und ein gesichertes Einkommen sind beileibe keine Nebensächlichkeiten sondern abgesehen von der exitenziell wichtigen wirtschaftlichen Notwendigkeit auch ein Zeichen der Wertschätzung und alles andere als unwichtig. Neben der Motivation Geld jedoch, lohnt es sich meines Erachtens jedoch in sich reinzuschauen und nach weiteren Motivationen zu suchen  und auch danach was einen daran hindert das auszuleben – im eigenen Interesse und um sich damit die Basis seiner Kreativität auch dann zu erhalten, wenn die Umstände rund um ein Projekt – aus welchem Grund auch immer – drohen einen nach unten zu ziehen.

Sich mitziehen zu lassen geht so einfach und oft schneller als man denkt …

2 Comments

  1. Das sehe ich genauso. Mitdenken und Mühe geben, auch wenn es nicht explizit gefordert ist.

    Allerdings merke ich bei mir selbst, das ich es kaum noch mache. Weil immer irgendwelche durchsetzungsstarken Kollegen kommen und es besser wissen. Und es mir zu blöd wurde darüber zu disskutieren, wer Recht hat oder wessen Arbeitsgebiet es ist. So bleibt es dann irgendwann auf der Strecke und meine blöde Kollegin hat gewonnen!

  2. Liebe Sarah,

    so ähnlich meinte ich das, wenngleich ich das Wort “bemühen” nicht so mag. Das klingt so schrecklich anstrengend ;-) Schöner ist es, wenn man sich den Elan, die Begeisterung und den Enthusiasmus für eine Sache von innen heraus erhalten kann, dann muss man sich nicht bemühen, sondern tut es, weil man es gerne tut. Wenn du den Eindruck hast, dass du immer den Kürzeren ziehst und dass dich das mürbe macht, dann wird es jedoch imho nicht besser, wenn man sich zurückdrängen und überfahren lässt. Schonmal an ein Coaching gedacht? Das Verhalten der anderen kann man ja oft nicht ändern, aber es passieren doch schonmal unglaubliche Dinge, wenn man sein eigenes ändert und drauf achtet, dass man nicht in (manchmal frauenspezifische) Fallstricke gerät …

    Liebe Grüße
    Jutta